

Der Indigo und die Anfänge des Blaudrucks
Der aufblühende Ost-Indienhandel brachte Indigo um 1600 über England und Holland nach Deutschland. Indigo gilt als der älteste bekannte organische Farbstoff. Durch seine bessere Qualität verdrängte der aus tropischen Indigofera-Arten gewonnene Indigo schon bald den h
eimischen Färber-Waid.
Den blauen Farbstoff, Grundvoraussetzung für den Blaudruck, lieferten die Blätter der strauchartigen Pflanze. Das indische Kalkutta war im
19. Jahrhundert die Hochburg des Indigohandels, bis ca. 1920 durch die Firma BASF synthetischer Farbstoff hergestellt werden konnte.
Auch das Verfahren des Reservedrucks – auf dem der Blaudruck beruht – kam aus Indien zu uns. Im Jahre 1690 gelangen dem Augsburger Jeremias Neuhofer die ersten Blaudrucke im Reservedruck-Verfahren. Schon bald darauf fand man überall dort, wo Flachs angebaut und Leinen gewebt wurde, das Handwerk des Blaudrucks.
1743 errichtete das "Blau- und Schönfärberhandwerk" in Minden Ravensberg sogar eine eigene Färberzunft. In beinahe jeder Stadt und jedem Dorf gab es einen oder mehrere Blaufärber bzw. Blaudrucker.
In Nottuln waren es zur besten Zeit sogar sechs an der Zahl. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts schlossen sich die Färber zu Zünften zusammen. Als um 1890 mit der Industrialisierung der maschinelle Walzendruck aufkam, mussten viele Druckereien leider schließen.
Die Familie Kentrup aus Nottuln im Münsterland, die ihre Blaudruckerei seit Mitte des 19. Jahrhunderts betreibt, hatte dies schnell erkannt und sich deshalb auf Sondermaße für Tischdecken, Stoffe, etc. sowie auf anspruchsvolle Kundenwünsche und kleine Stückzahlen eingestellt.
Zudem war man nicht von der Druckerei abhängig, da bis 1954 zusätzlich noch eine kleine Reinigung, ein Kolonialwarenladen und eine Gaststätte betrieben wurden.
Heute sind die Stiftsschänke Kentrup Bläu und die Blaudruckerei im münsterländischen Nottuln unabhängig von einander in Betrieb.